Peritonealdialyse (PD)
Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Behandlungsmethoden herausgebildet, die unter dem Oberbegriff PD zusammengefasst werden. Bevor Sie jedoch diese unterschiedlichen Verfahren kennenlernen, sollen Sie Einblick in das grundsätzliche Funktionsprinzip der PD erhalten. Bei der PD verwendet man das Bauchfell als körpereigene Dialysemembran, einen PD-Katheter und eine Dialyselösung.
Bauchfell
1. Anatomie
Das Bauchfell – Peritoneum – ist eine durchblutete Membran mit kleinen Öffnungen und einer Gesamtoberfläche von ca. zwei Quadratmetern. Das Peritoneum gehört zum Infektabwehrsystem. Es kleidet den Bauchraum aus, überzieht viele Organe und ordnet sie im Bauchraum. Hier übernimmt das Peritoneum eine Schutzfunktion gegen Stöße von außen.
2. Physiologie – Stofftransport
Die PD funktioniert nach einfachen physikalischen Gesetzen. Das Peritoneum ist eine semipermeable (halbdurchlässige) Membran. Halbdurchlässig bedeutet in diesem Fall, dass Stoffe bis zu einer gewissen Größe vom Blut ins Dialysat, aber auch umgekehrt vom Dialysat ins Blut wandern. So können dem Körper bestimmte Stoffe wie Elektrolyte und Medikamente verabreicht werden, andererseits gehen Eiweißstoffe (Aminosäuren und Proteine), und wasserlösliche Vitamine verloren.
Entgiftung
Im Blut nierenkranker Patienten befindet sich eine erhöhte Konzentration von Giftstoffen (harnpflichtige Substanzen), messbar z.B. als Kreatinin und Harnstoff. Bei der PD wird das Bauchfell mit 2 bis 3 Liter Dialyselösung umspült. Die harnpflichtigen Substanzen wandern aus dem Blut in die Dialyselösung (Dialysat). Nach 4 bis 5 Stunden ist das Dialysat mit Giftstoffen gesättigt, wird aus dem Bauchraum über den PD-Katheter abgelassen und durch frische Dialyselösung ersetzt. Um einen optimalen Austausch der harnpflichtigen Substanzen zu erzielen, wird die Dialyselösung vor dem Einlauf auf Körpertemperatur erwärmt.
Entwässerung
Eine weitere Aufgabe der Dialyse besteht darin, dem Körper überschüssiges Wasser zu entziehen (Ultrafiltration). Die Dialyselösung bestimmt durch die Höhe ihrer Glukosekonzentration (Zucker) oder anderer osmotisch wirksamer Substanzen die Ultrafiltration. Je höher die Glukosekonzentration, desto höher ist auch die Osmolarität, um so mehr Wasser wird dem Körper entzogen.
PD-Katheter
Damit das Bauchfell zur Dialyse genutzt werden kann, muss ein Katheter operativ in den Bauchraum eingelegt werden. Der Katheter ist ein ca. 40cm langer, dünner Silikon-Kautschuk-Schlauch. An seinem unteren Drittel befinden sich viele kleine Öffnungen, über die die Dialyselösung in den Bauchraum ein- und ausläuft. Die PD-Katheterspitze wird von einem Chirurgen während einer Vollnarkose in die tiefste Stelle im Bauchraum (Douglas-Raum) eingelegt. In der Regel tritt der PD-Katheter in Nabelhöhe in der Mitte der linken Bauchhälfte aus.
Noch im Operationssaal unter sterilen Bedingungen bringt der Chirurg einen Titanadapter und ein Überleitungssystem an Ihren PD-Katheter an. An diesem Überleitungssystem führen Sie dann später Ihren Beutelwechsel durch. Diese Katheterverlängerung bietet Ihnen einen zusätzlichen Infektionsschutz.
PD-Lösung
Die PD-Lösung ist eine sterile, elektrolythaltige (Kochsalz, Magnesium, Kalzium usw.) Dialyselösung mit unterschiedlicher Zuckerkonzentration (Zucker = Glukose). Die Glukosekonzentration sagt aus, wie viel Zucker in einem Liter Dialyselösung enthalten sind.
1,36% = 13,6g
2,27% = 22,7g
3,86% = 38,6g
Die jüngste Generation der PD-Lösungen ist dahingehend optimiert, dass Eigenschaften wie pH-Wert und Puffer den natürlichen Werten des Körpers angepasst sind.
In Kombination mit den Glukoselösungen können zusätzlich Dialyselösungen eingesetzt werden, bei denen der Zucker durch Mehrfachzucker oder Aminosäuren ersetzt wurde. Eine PD-Lösung mit der Substanz Icodextrin, einem Mehrfachzucker, kann einmal täglich eingesetzt werden, um u. a. die Ultrafiltration zu steigern.
Für PD-Patienten mit Eiweißmangel eignet sich eine aminosäurehaltige PD-Lösung, die wie Icodextrin-Lösung einmal täglich im Austausch zu glukosehaltigen Lösungen eingesetzt wird.