Immunglobulin-Therapie
Wie funktioniert das Immunsystem?
Eine der wichtigsten Fähigkeiten des Immunsystems besteht darin, zwischen körpereigenen und körperfremden Substanzen zu unterscheiden. Auf diese Weise kann es Krankheitserreger sicher identifizieren – und schließlich bekämpfen.
Der Mensch kommt täglich in Kontakt mit Bakterien, Viren oder Pilzen – wir atmen sie ein, nehmen sie über die Nahrung und die Haut auf oder stecken uns bei unseren Mitmenschen an. Ein gesundes Immunsystem reagiert sofort: Es aktiviert die weißen Blutkörperchen, die daraufhin spezifische Abwehrstoffe herstellen. Diese Stoffe werden auch als Immunglobuline bezeichnet und machen Krankheitserreger wirkungsvoll unschädlich.
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Was ist ein Immundefekt?
Unsere Abwehr ist ein hochkomplexes System, das Defekte an unterschiedlichen Stellen aufweisen kann – zum Beispiel einen Mangel an Antikörpern (Immunglobulinen). Mögliche Folgen sind häufige starke Erkältungen, schwerer bzw. anhaltender Husten, chronische Durchfälle, chronische Nasennebenhöhlenentzündungen und hartnäckige Infektionen, bei denen selbst Antibiotika nicht wirken.
Während manche Menschen mit einem Immundefekt zur Welt kommen und von Geburt an einen Immunglobulinmangel entwickeln, bildet er sich bei Anderen z. B. erst im Alter von 20 bis 30 Jahren aus (CVID).
Angeborene Immundefekte
Eine solche Abwehrschwäche wird auch als primärer Immundefekt bezeichnet. Es handelt sich um eine angeborene Störung, die lebenslang behandelt werden muss.
Erworbene Immundefekte
Erworbene oder sekundäre Immundefekte können verschiedene Ursachen haben: Mögliche Auslöser sind eine chronisch-lymphatische Leukämie, Verbrennungen, Chemotherapien oder die Einnahme von Medikamenten wie Kortison oder Zyklosporin.
Wie wird mit Immunglobulinen behandelt?
Ein Mangel an Antikörpern führt zu einer erhöhten Anfälligkeit für Krankheiten. Mit einer Immunglobulin-Therapie kann der Defekt erfolgreich ausgeglichen werden. Die Folge: Schwere und Anzahl der Infektionen werden deutlich reduziert.
1952 entdeckte O.C. Bruton erstmals bei einem Kind mit vielen bakteriellen Infekten, dass das Kind keine Antikörper bildet. Er behandelte das Kind mit einer ganz neuen Therapie: Menschlichen Immunglobulinen. Der Patient erlitt daraufhin 14 Monate lang keine schweren bakteriellen Infekte.
Intravenöse Therapie
Bei der intravenösen Anwendung werden die fehlenden Abwehrstoffe über eine Infusion ersetzt. Die Therapie erfolgt im Krankenhaus oder in der klinischen Ambulanz.
Subkutane Therapie
Die subkutane Verabreichung können Patienten selbstständig und von zu Hause aus durchführen. Dabei werden Immunglobuline i. d. R. ein- oder mehrmals pro Woche direkt unter die Haut (subkutan) gespritzt. Die subkutane Anwendung ist leicht zu lernen und ermöglicht den Patienten mehr Unabhängigkeit und Flexibilität. Die Lebensqualität wird deutlich erhöht.
Was ist eine Autoimmunerkrankung?
Bei einer Autoimmunerkrankung kommt es innerhalb des Immunsystems zu Überreaktionen, die durch einen Fehler des Abwehrsystems verursacht werden. Die Abwehrzellen können körpereigene Zellen nicht von fremden Zellen und Strukturen unterscheiden. Körpereigenes Gewebe wird daher irrtümlicherweise für einen schädlichen Fremdkörper gehalten und deshalb – wie ein Krankheitserreger – bekämpft und/oder zerstört.
Welche Hilfe gibt es bei Erkrankungen des Immunsystems?
Bei einem sekundären Immundefekt wie chronisch lymphatischer Leukämie (CLL) oder multiplem Myelom (MM) oder einer Autoimmunerkrankung wie
Immunthrombozytopenie (ITP), multifokaler motorischer Neuropathie (MMN) oder Guillain-Barré-Syndrom (GBS), kann dem Patienten durch eine Therapie
mit Immunglobulinen geholfen werden. Dabei werden Antikörper verabreicht, die aus dem Blutplasma gesunder Spender gewonnen werden. Diese Behandlungsmethode erzielt bei einigen Erkrankungen schon seit Jahrzehnten gute Erfolge.
Die verabreichten Immunglobuline können den Körper mit zwei sehr
unterschiedlichen Prinzipien unterstützen: Entweder sie wirken im Falle
eines Immundefekts Infektionen entgegen, indem sie die fehlenden
Antikörper im Körper ersetzen und ihm so bei der Bekämpfung von
Krankheitserregern helfen, oder sie wirken im Falle einer Autoimmunerkrankung regulierend auf das Abwehrsystem und normalisieren die Immunreaktionen.
Weiterführende Informationen
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