Immunglobulin-Therapie

Immunglobulin-Therapie

Wie funktioniert das Immunsystem?

Eine der wichtigsten Fähigkeiten des Immunsystems besteht darin, zwischen körpereigenen und körperfremden Zellen und Substanzen zu unterscheiden. Auf diese Weise kann es Krankheitserreger sicher identifizieren – und schließlich bekämpfen.

Der Mensch kommt täglich in Kontakt mit Bakterien, Viren oder Pilzen – wir atmen sie ein, nehmen sie über die Nahrung und die Haut auf oder stecken uns bei unseren Mitmenschen an. Ein gesundes Immunsystem reagiert sofort: Es aktiviert die weißen Blutkörperchen, die daraufhin spezifische Abwehrstoffe herstellen. Diese Stoffe werden auch als Antikörper (Immunglobuline) bezeichnet und machen Krankheitserreger wirkungsvoll unschädlich.

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Was ist ein Immundefekt?

Unsere Abwehr ist ein hochkomplexes System, das Defekte an unterschiedlichen Stellen aufweisen kann – zum Beispiel einen Mangel an Antikörpern (Immunglobulinen). Mögliche Folgen sind häufige, starke Erkältungen, schwerer bzw. anhaltender Husten, chronische Durchfälle, chronische Nasennebenhöhlenentzündungen und hartnäckige Infektionen, bei denen selbst Antibiotika nicht wirken.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arten von Immundefekten: primäre und sekundäre


Primäre (Angeborene) Immundefekte
Wenn eine genetische Veränderung das Immunsystem an seiner richtigen Funktion hindert, spricht man von einem primären Immundefekt. Es handelt sich somit um eine angeborene Störung, die lebenslang behandelt werden muss.

Sekundäre (Erworbene) Immundefekte
Ein sekundärer Immundefekt kann verschiedene Ursachen haben, ist aber in jedem Fall die Folge einer anderen Grunderkrankung. Mögliche Ursachen für die erworbene Beeinträchtigung des Immunsystems können bestimmte Blutkrebsarten, wie chronisch lymphatische Leukämie (CLL) und Multiples Myelom (MM) sowie eine Therapie sein, die das Abwehrsystem unterdrückt (wie bei einer Transplantation, um zu vermeiden, dass ein Organ abgestoßen wird). In der Folge wird das Immunsystem aus dem Gleichgewicht gebracht. Diese Art des Immundefekts erfordert entweder eine vorübergehende oder eine lebenslange Behandlung mit Immunglobulinen.

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Was ist eine Autoimmunerkrankung?

Bei einer Autoimmunerkrankung kommt es innerhalb des Immunsystems zu Fehlreaktionen. Die Abwehrzellen können körpereigene Zellen nicht von fremden Zellen und Strukturen unterscheiden. Körpereigenes Gewebe wird daher irrtümlicherweise für einen schädlichen Fremdkörper gehalten und deshalb – wie ein Krankheitserreger – angegriffen und/oder zerstört.

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Welche Hilfe gibt es bei Erkrankungen des Immunsystems?

Menschen mit einem primären (angeborenen) Immundefekt besitzen nur eine eingeschränkte Fähigkeit, auf Infektionen zu reagieren und sie effektiv zu bekämpfen. Damit ihr Körper sich wehren kann, muss er von außen zusätzlich Antikörper (Immunglobuline) zugeführt bekommen.

Bei  einem sekundären (erworbenen) Immundefekt wie chronisch lymphatischer Leukämie (CLL) oder multiplem Myelom (MM) oder einer Autoimmunerkrankung wie Immunthrombozytopenie (ITP), multifokaler motorischer Neuropathie (MMN) oder Guillain-Barré-Syndrom (GBS), kann dem Patienten durch eine Therapie mit Immunglobulinen geholfen werden. Dabei werden  Antikörper (Immunglobuline) verabreicht, die aus dem Blutplasma gesunder Spender gewonnen werden.

Die verabreichten Immunglobuline können den Körper mit zwei sehr unterschiedlichen Prinzipien unterstützen: Entweder sie wirken im Falle eines Immundefekts Infektionen entgegen, indem sie die fehlenden Antikörper im Körper ersetzen und ihm so bei der Bekämpfung von Krankheitserregern helfen, oder sie wirken im Falle einer Autoimmunerkrankung regulierend auf das  Abwehrsystem und normalisieren die Immunreaktionen.

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Wie wird mit Immunglobulinen behandelt?

Das Ziel der Immunglobulin-Behandlung ist der Ersatz fehlender Antikörper, die normalerweise für die Bekämpfung der Infektionen zuständig sind. Diese Ersatztherapie ist im Allgemeinen in regelmäßigen Abständen erforderlich.
Ein Mangel an Antikörpern führt zu einer erhöhten Anfälligkeit für Krankheiten. Mit einer Immunglobulin-Therapie kann der Defekt erfolgreich ausgeglichen werden. Das Ergebnis: Schwere und Anzahl der Infektionen werden deutlich reduziert.

Immunglobulin-Behandlungen können entweder als intravenöse oder subkutane Infusionen gegeben werden.

Intravenöse Immunglobulin-Behandlung
Intravenöses Immunglobulin (IVIg) wird direkt in eine Vene (intravenös) verabreicht. Die Therapie erfolgt im Krankenhaus, in der klinischen Ambulanz oder ambulant in der Arztpraxis.

Subkutane Immunglobulin-Behandlung
Subkutanes Immunglobulin (SCIg) wird unter die Haut (subkutan) verabreicht und kann sowohl im Krankenhaus oder in der Arztpraxis, als auch vom Patienten selbstständig zu Hause durchgeführt werden.

  • Konventionelle subkutane Immunglobulin-Behandlung
    Dabei werden die Immunglobuline i. d. R. ein- oder mehrmals pro Woche direkt unter die Haut gespritzt.

  • Hyaluronidase-unterstütze subkutane Immunglobulin-Behandlung (nur für erwachsene Patienten)
    Bei der Hyaluronidase-Unterstützten Therapie (HYIg) können größere Mengen der Immunglobulinlösung unter die Haut verabreicht werden. Dies erfolgt dann nur alle 3 bis 4 Wochen.

Die subkutane Anwendung ist leicht zu lernen und ermöglicht den Patienten mehr Unabhängigkeit und Flexibilität.  Die Lebensqualität wird deutlich erhöht.

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