Presseinformation - 07. November 2017

Digitalisierung im Gesundheitswesen – Bayerische Perspektive

Es geht längst nicht mehr um das OB, sondern nur noch um das WIE

  • In der Hightech-Strategie der Bundesregierung gehören Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) als Innovationsmotor Nr. 1 zu den bedeutendsten Innovationsfeldern
  • Bayern ist als eine von 134 europäischen Regionen laut einer Studie des European ICT Poles of Excellence auf Platz 1
  • Lediglich knapp über 5% aller Dialysepatienten in Deutschland nutzen die Möglichkeit der Heimdialysetherapie
  • Schlüsseltechnologien im Bereich der digitalen Heimtherapieversorgung benötigen das Zusammenspiel aller Akteure des Gesundheitswesens, um den Fortschritt zu gewährleisten

Unterschleißheim, im November 2017 – Zum zweiten Mal in Folge hat das Arzneimittel- und Medizinprodukteunternehmen Baxter Vertreter der Landespolitik, bayerische Ärzte und weitere namhafte Experten der Gesundheitsbranche zusammengebracht. Beim 2. Baxter Gesundheitsforum diskutierten die Referenten und Podiumsteilnehmer am 26. Oktober 2017 das schnell voranschreitende Thema Digitalisierung in der medizinischen Versorgung.

E-Health Strategie, Fernbehandlungsverbot und Datenschutzfragen bei Gesundheits-Apps: Alles Themen, die derzeit kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert werden und die aus der medizinischen Versorgung nicht mehr weg zu denken sind. Aber wie weit ist man bereits in Bayern? Welche Unterstützung ist bei der Implementierung digitaler Lösungen von der Landespolitik zu erwarten? Was denkt und vor allem fordert die Ärzteschaft und welche ökonomischen Hürden gilt es gegebenenfalls noch zu bewältigen? Diese Fragen wurden im Rahmen des zweiten Baxter Gesundheitsforums am 26. Oktober 2017 am Unternehmensstandort in Unterschleißheim beantwortet.

Prof. Dr. med. Siegfried Jedamzik, Geschäftsführer der Bayerischen Telemedallianz – auch bekannt als „Vater der Telemedizin“ - gab einen interessanten Überblick über bereits bestehende Projekte und so genannte digitale „Leuchttürme“, von denen es in Bayern mehr als 100 gibt. Der Freistaat Bayern fördert seit 1995 telemedizinische Projekte mit über 13 Millionen Euro. „Bayern ist wie immer gut und wird Leitregion für den digitalen Aufbruch“, so der positive Ausblick Jedamziks. Er weist dabei darauf hin, dass von 134 europäischen Regionen München laut einer Studie des European ICT Poles of Excellence auf Platz 1 ist. „Diesen Vorsprung müssen wir halten und ausbauen – Herausforderung hierbei ist, die vielen Pilotprojekte in den Gesundheitsmarkt zu überführen; hierbei müssen viele bürokratische Hürden überwunden werden.“

Frau Gabriele Hackenberg beleuchtete das Thema aus der medizinischen Sicht. Als leitende Nephrologin im Dialysezentrum Memmingen präsentierte sie Beispiele aus Ihrem Praxisalltag und verdeutlichte, wie digitale Lösungen im Bereich der Heimtherapieversorgung die Lebensqualität der betroffenen Patienten verbessern können. Exemplarisch stellte Sie das webbasierte Tool SHARESOURCE vor, mit dem Heimdialysepatienten direkt mit ihrem behandelnden Dialysezentrum verbunden sind. Beispielsweise können Therapieanpassungen so digital gesteuert werden, ohne dass der Patient ins Zentrum fahren muss. „Die Heimdialysetherapie ist eine Herausforderung per se!“ erläuterte Hackenberg und ging dabei auf die Problematik ein, dass in Deutschland die wenigsten Dialysepatienten über die Therapieoption überhaupt aufgeklärt würden. Während in den Dialysezentren in Deutschland überwiegend die Hämodialyse – die bekanntere „Blutwäsche“ –durchgeführt wird, nutzen lediglich nur ca. 5% die Bauchfelldialyse, die vom Patienten zu Hause selbst durchgeführt werden kann, obwohl, so die Nephrologin, „beide Dialyseverfahren absolut gleichwertig im Ergebnis sind.“ Durch innovative Lösungen wie etwa SHARESOURCE erhofft sie sich, dass mehr Patienten den Mut fassen, die Dialyse selbständig zu Hause durchzuführen, da sie eine permanente, direkte Anbindung an das Dialysezentrum haben.

Frau Dr. Claudia Wöhler, Landesgeschäftsführerin der Barmer Landesvertretung in Bayern verdeutlichte im Rahmen ihres Impulsvortrages ihre Zuversicht hinsichtlich zukünftiger Einsparpotentiale durch E-Health Lösungen. Sie machte jedoch auch deutlich, dass das deutsche Gesundheitswesen in Bezug auf Digitalisierung noch hinterherhinke. Im Vergleich mit anderen Branchen ist das Gesundheitswesen noch immer niedrig digitalisiert und liegt in Studien beispielsweise nur wenige Punkte über dem Gastronomie- und Hotelgewerbe. „Die Digitalisierung ist eine unglaubliche Chance und kann die Versorgungsqualität, die Versorgungseffizienz sowie die Effektivität der Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure innerhalb des Gesundheitswesens steigern.“ An die Chance der Kostenersparnis durch digitale Lösungen glaubt Wöhler fest und nennt ein mögliches Einsparpotential in Höhe von 39 Mrd. EUR aus einer PWC Studie.

In der anschließenden Podiumsdiskussion waren sich die Teilnehmer einig, dass es bei der Digitalisierung längst nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie geht. Die existierenden Leuchtturmprojekte in Bayern benötigen eine strukturierte Übersicht und ein höheres Tempo. Zudem muss bei der Finanzierung über eine sinnvollere Verteilung der Mittel, ein verbessertes Anreizsystem und eine grundsätzlich höhere Investition in die Digitalisierung nachgedacht werden.

„Mir geht’s ein bisschen langsam auf dem Weg der Digitalisierung“, machte der gesundheits- und pflegepolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion und stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Pflege, MdL Bernhard Seidenath deutlich. Für die CSU-Landtagsfraktion hat das Thema Digitalisierung der Gesundheitsversorgung höchste Priorität. Seidenath möchte auch die zukünftige Bundesregierung mit einem e-Health-Gesetz II in die Pflicht nehmen.

Auch die SPD Vertretung in der Runde, Frau MdL Kathrin Sonnenholzner, sieht die Gestaltung der Digitalisierung als Aufgabe der Politik und pocht auf evidenzbasierte Entscheidungen. Die Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Pflege und selbst Ärztin plädiert für eine nutzenorientierte Umsetzung und stellt den sensiblen Umgang mit Patientendaten in den Vordergrund. Auch von Industrieseite pflichtete Business Unit Leiter Dr. Gerhard Mörsdorf der Bedeutung des Datenschutzes bei. „Die Digitalisierung innerhalb unserer Branche ist ein starker Wettbewerbsmotor, den wir proaktiv nutzen, um Innovationen für die Patienten auf den Weg zu bringen.“

Studiendekan Prof. Dr. rer. pol. Andreas Beivers sprach sich dafür aus, dass die vielen existierenden Insellösungen durch eine regulierende Institution konsolidiert werden müssten und fordert ein radikales Umdenken innerhalb des Systems. Der wichtigste Aspekt jedoch sei, alle Akteure auf dem weiteren Weg in ein digitales Gesundheitswesen mitzunehmen und digitale Kompetenzen zu schulen. „Wir dürfen keine losgelöste, akademische Debatte führen, da ansonsten Ängste erzeugt würden, die ein schnelles Fortschreiten auf dem Weg zur Digitalisierung wiederum verhindern würde.“

(v.l.n.r.) Dr. Gerhard Mörsdorf, Business Unit Director Baxter; MdL Bernhard Seidenath, Gesundheits- und pflegepolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion und stellvertr. Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Pflege; Dr. Claudia Wöhler, Geschäftsführerin der BARMER Landesvertretung Bayern; Prof. Roger Jaeckel, Market Access Director Baxter; MdL Kathrin Sonnenholzner, Mitglied der SPD-Landtagsfraktion und Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Pflege; Gabriele Hackenberg, Nephrologin und leitende Ärztin im Dialysezentrum Memmingen; Prof. Dr. rer. pol. Andreas Beivers, Studiendekan Management und Ökonomie im Gesundheitswesen; Prof. Dr. med. Siegfried Jedamzik, Geschäftsführer Bayerische Telemedallianz

 

Über Baxter Deutschland GmbH

Seit 1960 kommen jeden Tag Tausende von Menschen mit Baxter Deutschland in Berührung. Unsere Produkte und Therapien sind überall dort im Einsatz, wo Leben gerettet und wieder lebenswert gemacht werden: in Krankenhäusern, Zentren, Arztpraxen und bei den Menschen zu Hause. Unser Portfolio umfasst die Heim- und Zentrumsdialyse sowie Akut Dialyse, Infusionssysteme und -geräte, Zytostatika, Parenterale Ernährung, Produkte für die Chirurgie, Anästhetika, Automatisierungssysteme (Unit Dose) sowie Dienstleistungen für die Apotheke.

Weitere Informationen finden Sie unter www.baxter.de.

 

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