Meningokokken C
Das Krankheitsbild einer Meningokokken-Erkrankung
Das Krankheitsbild einer invasiven Meningokokken-Infektion kann von einer vorübergehenden Bakteriämie bis hin zu einer perakuten Erkrankung, die binnen weniger Stunden zum Tode führen kann, variieren.
In Deutschland verlaufen rund 60 % aller Meningokokken-Erkrankungen als purulente Meningitis, etwa ein Drittel verläuft als Sepsis. Bei circa 8 % der Patienten tritt ein Waterhouse-Friederichsen-Syndrom auf, eine besonders schwere Form des septischen Schocks, die durch eine sehr hohe Letalität gekennzeichnet ist. Ein weiterer Teil der Erkrankten weist Mischformen auf.
Meningitis
Die Krankheit beginnt akut mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie deutlichem Krankheitsgefühl. Hinzu kommen Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Nackensteifigkeit, Hautblutungen und Bewusstseinsstörungen. Die typischen Meningitis-Zeichen (Kernig, Brudzinski, Lasègue) können auch ganz fehlen, zum Beispiel bei älteren Patienten oder Säuglingen. Neurologische Symptome wie Reizbarkeit, Schläfrigkeit, Benommenheit, eine ausgeprägte motorische Unruhe, Desorientiertheit, Bewusstlosigkeit sowie Krampfanfälle oder Hirnnervenlähmungen können ebenfalls auftreten.
Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome meist weniger charakteristisch. Oftmals sind sie lediglich apathisch, trinkfaul, reizbar und schläfrig. Hautblutungen sind häufig. Die Nackensteifigkeit fehlt meist. Eine vorgewölbte Fontanelle ist bei Säuglingen oft nachweisbar.
Unbehandelt ist die Letalität der Meningokokken-Meningitis hoch, kann aber durch frühzeitige Diagnostik und Therapie verringert werden. Die Letalität der Serogruppe C liegt in allen Altersgruppen höher als die der Serogruppe B.
In etwa 10 % der Erkrankungen kommt es zu zentralnervösen Spätschäden:
1–10 % psychosomatische Entwicklungsstörungen, 1 % Hirnnervenlähmungen, ferner Hemiplegie, Krampfanfälle, Hydrozephalus, Einschränkungen des Intellekts und Lernschwierigkeiten sowie etwa 3 % Schädigungen des Innenohrs mit resultierender Taubheit (Dittmann S: Meningokokken-Erkrankungen. 1. Auflage, 2003. Georg Thieme Verlag, Stuttgart).
Sepsis
Die Meningokokken-Sepsis geht mit Fieber, Schüttelfrost, Hypotonie, Übelkeit, Erbrechen, schwerem Krankheitsgefühl und hämorrhagischen Exanthemen einher. Die Läsionen in der Haut besitzen petechialen oder purpuraähnlichen Charakter, sind unterschiedlich ausgeprägt und finden sich bei etwa 75 % aller invasiven Meningokokken-Erkrankungen. Sie treten meist am Körper und den Extremitäten auf, kommen aber auch im Gesicht, an den Handinnenflächen und den Fußsohlen sowie auf den Schleimhäuten vor. In den Läsionen befinden sich lebende, vermehrungsfähige Erreger.
Bei etwa 8 % aller Patienten verläuft die Meningokokken-Sepsis als Waterhouse-Friderichsen-Syndrom (WFS). Bei dieser fulminanten Sepsis, die aus völligem Wohlbefinden heraus entsteht, kommt es infolge der von den Neisserien freigesetzten großen Mengen an Endotoxin zu einer disseminierten intravasalen Gerinnungsstörung, die mit massiven Blutungen in Haut, Schleimhaut sowie inneren Organen einhergeht und innerhalb von wenigen Stunden zu einem schweren Schock mit Bewusstlosigkeit und Multiorganversagen führt.
Spätschäden septischer Erkrankungen reichen von begrenzten Nekrosen bis zu extensiver Gangrän von Akren und Gliedmaßen, die eine Amputation des befallenen Körperteils nötig machen kann. Auch Knochenschäden und Störungen des Skelettwachstums wurden beobachtet.
Der Erreger Neisseria meningitidis und seine Verbreitung
Verursacht wird die Meningokokken-Meningitis durch Neisseria meningitidis. Meningokokken sind gramnegative, bekapselte Diplokokken, die sich im Nasen-Rachen-Raum ansiedeln.
Je nach Alter sind 2 bis 25 % der Bevölkerung gesunde Keimträger. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion oder engen Kontakt von Mensch zu Mensch. Außerhalb des Körpers sterben die Keime rasch ab, so dass für eine Infektion ein sehr enger Kontakt mit infektiösen Sekreten eines Keimträgers oder Erkrankten erforderlich ist.
Die unterschiedliche Zusammensetzung der Kapselpolysacharide bildet die Grundlage für die Einteilung der Meningokokken in 13 Serogruppen A, B, C, D, E29, H, I, K, L, W135, X, Y und Z (www.neisseria.org). Die Mehrzahl der klinischen Erkrankungen wird durch die Serogruppen A, B, C, W135 und Y hervorgerufen. In Deutschland und Europa haben die Gruppen B und C die größte Bedeutung. Im sogenannten Meningitis-Gürtel in Afrika, in dem es regelmäßig zu größeren Epidemien kommt, werden dagegen die meisten Erkrankungen durch Meningokokken der Gruppe A ausgelöst.
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Meningokokken-C-Prophylaxe
Gegen Meningokokken der Gruppe C gibt es einen sicheren und gut verträglichen Impfstoff für Jugendliche und Kinder im zweiten Lebensjahr. Eine einzige Injektion ist für einen zuverlässigen Schutz ausreichend.
Ungeimpfte Kontaktpersonen von Patienten mit Meningokokken-C-Erkrankung sollten vorsorglich mit Antibiotika behandelt werden. Zusätzlich empfiehlt es sich, die Impfung nach Beendigung der Chemoprophylaxe nachzuholen.
Gefährdete Kontaktpersonen sind:
- Alle Haushaltsmitglieder (Risiko 500-1.000fach erhöht)
- Personen, die mit den oropharyngealen Sekreten des Patienten in Berührung gekommen sind (z. B. Intimpartner, enge Freunde, Spielkameraden, medizinisches Personal z. B. bei Mund-zu-Mund-Beatmung, Intubation und Absaugen des Patienten ohne Mundschutz etc.)
- Kontaktpersonen in Gemeinschaftseinrichtungen mit haushaltsähnlichem Charakter, z. B. Internate, Kasernenstuben etc.)
- Kontaktpersonen in Kindereinrichtungen mit Kindern unter 6 Jahren - bei guter Gruppentrennung nur die betroffene Gruppe
Wirksamkeit und Verträglichkeit der Meningokokken-C-Impfung
Die Wirksamkeit der Meningokokken-C-Impfung zeigt sich in Ländern, die durch nationale Impfprogramme hohe Durchimpfungsraten erreicht haben. In den 1990er Jahren wurde in Großbritannien ein deutlicher Anstieg von Meningokokken- C-Erkrankungen beobachtet. Daraufhin wurde 1999 eine nationale Impfkampagne eingeführt, in die alle Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahre aufgenommen wurden. Bereits im ersten Jahr nach Einführung der Kampagne konnte ein starker Rückgang der Erkrankungen festgestellt werden. Auch in den Niederlanden reduzierten sich innerhalb von 2 Jahren die Meningokokken-C-Fälle in der geimpften Altersgruppe um 99 %. Allgemeine Impfprogramme in Belgien, Irland, Island und Spanien verliefen ebenfalls erfolgreich.
Die Meningokokken-C-Impfung wird europaweit angewendet und von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen gut vertragen.
Konjugat-Impfstoffe
Bei Säuglingen und Kleinkindern ist das Immunsystem noch nicht ausgereift. Dies gilt besonders für die T-Zell-unabhängige Immunantwort und ist wahrscheinlich einer der Gründe dafür, warum bakterielle Infektionen, z. B. mit Neisseria meningitidis (Menigokokken) oder auch Haemophilius influenzae Typ B, in diesem Alter häufiger auftreten und schwerer verlaufen. Aufgrund der unzureichenden T-Zell-unabhängigen Immunantwort ist auch die Wirksamkeit von Polysaccharid-Impfstoffen bis zum 2. Lebensjahr eingeschränkt.
Mit modernen Konjugat-Impfstoffen ist es gelungen, die T-Zell-abhängige Immunantwort auch für Polysaccharide, d. h. T-Zell-unabhängige Antigene, nutzbar zu machen, indem das Polysaccharidantigen an ein Proteinantigen gebunden (konjugiert) wird. Als Konjugat wird meist eine nicht-toxische Variante des Diphterietoxins bzw. Tetanustoxoid verwendet.
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Impfempfehlung
Im Juli 2006 hat die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) eine generelle Empfehlung für die Impfung gegen Meningokokken-C im 2. Lebensjahr ausgesprochen (www.rki.de): Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C mit einem konjugierten Meningokokken-C-Impfstoff für alle Kinder im 2. Lebensjahr zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Primäres Impfziel ist es, die Morbidität invasiver Meningokokken-Erkrankungen der Serogruppe C und die resultierenden Folgen wie Hospitalisierung, schwere Komplikationen, Behinderung und Tod zu reduzieren.
Zusätzlich zur Chemoprophylaxe empfiehlt die STIKO eine Riegelungsimpfung für ungeimpfte Kontaktpersonen von Patienten mit Meningokokken-Erkrankungen, sofern der Erreger zu einer der impfpräventablen Gruppen gehört.
Reisende in gefährdete Gebiete können ab einem Alter von 11 Jahren mit einem 4-valenten Konjugatimpfstoff gegen die Gruppen A, C, W135 und Y geimpft werden. Bis zu einem Alter von 10 Jahren ist für Reisende in Endemiegebiete die Impfung mit einem A,C, W135, Y-Polysaccharid-Impfstoff angezeigt.



