Hemmkörper-Hämophilie
Ätiologie
Die Hemmkörperbildung, d. h. die Bildung von Alloantikörpern, gegen den substituierten Faktor VIII (oder Faktor IX) stellt heutzutage die schwerste Komplikation der Hämophilie-Behandlung dar. Etwa 20-30 Prozent der Patienten mit einer schweren Verlaufsform der Hämophilie A entwickeln zumeist zu Beginn der Behandlung einen Hemmkörper (im Median nach 10-15 Expositionstagen). Klinisch imponiert die Hemmkörper-Hämophilie durch das Bild einer persistierenden Blutung trotz adäquater Substitutionstherapie. Die Hemmkörper-Hämophilie im Rahmen der Hämophilie B ist weit seltener und schlechter untersucht.1
1Oldenburg J et al. Angeborene Koagulopathien am Beispiel der Hämophilie A und B, Hemmkörperhämophilie. Hämostaseologie 2008; 28: 335-347
Epidemiologie & Schweregrad
Hemmkörper treten bei etwa 20-30 Prozent der schweren Hämophilie A auf und sind häufig genetisch mitbegründet. So stellt eine Nullmutation das höchste Risiko für eine Hemmkörperbildung dar. Bei der Hämophilie A ist die Bildung von Hemmkörpern insgesamt häufiger als bei Patienten mit Hämophilie B.
Klinik & Diagnostik
Eine Hemmkörper-Hämophilie macht sich durch eine erhöhte Blutungsneigung trotz adäquater Faktorkonzentrat-Substitution bemerkbar. Wenn während der Therapie einer Hämophilie A oder B die Blutgerinnung unvorhergesehen schlechter wird und der Patient wieder verstärkt zu Blutungen neigt, sollte eine Hemmkörper-Hämophilie ausgeschlossen werden.
Um die Bildung eines Hemmkörpers gegen Faktor VIII rechtzeitig festzustellen, sollten bei Patienten, bereits während der ersten Expositionstage regelmäßig Hemmkörperkontrollen durchgeführt werden. Nach der Diagnose sollte eine Immuntoleranztherapie (ITT) in Betracht gezogen werden.
Therapie
Bei einer Hemmkörper-Hämophilie bildet der Organismus Antikörper (Hemmkörper) gegen den entsprechenden Blutgerinnungsfaktor. Eine übliche Substitution der fehlenden Gerinnungsfaktoren, wie bei der Therapie der Hämophilie A und B üblich, ist daher wenig erfolgversprechend.
Mit FEIBA NF, einem plasmatischen Prothrombinkomplex-Präparat, lässt sich die Hemmkörper-Hämophilie behandeln. FEIBA NF umgeht die inhibitorischen Antikörper gegen die Faktoren VIII und IX und führt zur Hämostase. FEIBA NF ist auch zur Prophylaxe und Therapie der erworbenen Hemmkörper-Hämophilie gegen Faktor VIII und IX bei Nicht-Hämophilen zugelassen.
Die Therapie kann entweder bei Bedarf („On-demand“) oder prophylaktisch durchgeführt werden. Die prophylaktische bzw. regelmäßige Anwendung hat dabei das Ziel, Blutungen von vornherein zu verhindern. Bleibende Schäden, wie sie zum Beispiel durch spontane Gelenkblutungen entstehen können, sollen so vermieden werden.

